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Newsbeitrag

Unter babyblauem Himmel
26.06.2010
 
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Wandern unter dem "babyblauen Himmel" Hohenlohes: Über den Kocher-Jagst-Steig berichtet jetzt sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Foto: Seyerle 
Das Wandern ist des Hohenlohers Lust - würde das ins Versmaß passen, man könnten es glatt so singen. Zum Beispiel auf dem Kocher-Jagst-Steig, jenem Rundwanderweg im Kreis, dessen letztes Teilstück dieses Frühjahr eingeweiht worden ist. In der Fachwelt - ja, es gibt eine regelrechte Szene an Wanderfreunden - wird der neue Wanderweg inzwischen beklatscht. "Auf zum grandiosen Wanderspaß", fordert das "Wandermagazin" im Internet auf und schwärmt von Hohenlohe, "ein wenig bekanntes, phantastisches Tourenland", dessen Jagsttal das schönste Tal der Welt sei.
 
Jetzt ist der Kocher-Jagst-Steig sogar printmedial "geadelt" worden: Mit einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Autorin Lilo Solcher war ganz angetan von Schwäbisch Hall als einem "Städtchen wie im Bilderbuch" und dem "freigiebigen Patriarchen" Reinhold Würth, der der Stadt die Kunsthalle bechert hat. Und auch sie schwärmt von der Landschaft mit ihrem "babyblauen Himmel" und von Rapsfeldern, die im Sonnenlicht leuchten, "als hätte van Gogh sein Sonnenblumengelb über sie ausgeschüttet".
 
Der Wanderweg, der auf eine Idee des deutschen Wanderverbandes und der Hohenlohe und Schwäbisch Hall Tourismus zurückgeht, soll aber auch seine Schwächen haben, wie die Wandersfrau mit ihrer Wandergruppe herausgefunden haben will. Zwar soll man sich auch ohne GPS und Wanderkarte zurechtfinden, "doch so ganz klappt das noch nicht". Manchmal gebe die Markierung Rätsel auf, etwa wenn an einem Baum zwei Pfeile in entgegengesetzte Richtungen weisen, weil man den Weg von beiden Seiten her begehen könne. Konrad Lechner, Initiator und Entwickler des Wanderwegs, soll deshalb bei bei der Wanderung "sein weißes Haupt" geschüttelt haben.
 
Das alles wird vergessen sein, wenn der Weg zum "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" geworden ist. Auf der Strecke darf es dann nicht mehr als drei Kilometer Asphalt geben und ausreichend Bänke und Aussichstpunkte. Bis zur Zertifizierung soll alles perfekt sein, versprechen die Hohenloher und Haller Touristiker. Die Beschilderung werde derzeit "optimiert".
 
Eines bleibt aber unwägbar: Das Wetter. Als ein Schauer niederging, schreibt Sölcher über ihre Wanderung, habe eine Frau einfach ihr Regencape aus dem Rucksack gezogen: "Eine echte Wandersfrau lässt sich eben von einem Regenguss nicht erschüttern."

Karsten Dyba; Haller Tagblatt vom 26.06.2010

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